The Demons Tour – Wenn man mit der Tenere einen Wasserfall hinunter fährt

Ich sitze am Frühstückstisch unserer Pension. Die lieben rumänischen Mädels wuseln um uns herum und decken den Tisch mit allen leckeren Dingen. 

Am Tisch sitzen auch die beiden Polen mit den BMWs. Sie fahren heute mit uns die Demons. Ob Sie diese schaffen ? Keine Ahnung aber lieber mit 4 Bikes als nur mit zwei Bikes.

Die BMW Fahrer wollen noch Luft im Reifen ablassen und wir verabreden uns am zweiten Einstieg der Sektion 2. Es geht heute um das Ende der Sektion 2 und wenn wir es schaffen die gesamte Sektion 3 mit den 2 sehr schweren Demons. Was uns erwartet. Keine Ahnung. Ich weiss nur es soll echt schwierig werden. 

Wir fahre auch noch zum tanken. Schon auf dem Weg zum Treffpunkt klingelt bei mir das Telefon. Es ist einer der BMW Fahrer. Ich geh davon aus das Sie schon am Eingang der Sektion warten. Wir sind noch ca. 15 Minuten davon entfernt. Ich versuche schneller dort zu sein und wir sind nach ca. 10 Minuten vor Ort. Aber keiner Da. Ich rufe zurück. Sie gehen ans Telefon und meinten Sie sind schon mal los gefahren und wir sollen einfach reinfahren. 

Gesagt, getan wir fahren rein und es ist eine kleine Schotterstraße mit teilweise größeren Steinen. Etwas ausgewaschen aber zum Endurowandern mega geil. Wir fahren ca. 5 Minuten bis wir zu einer ersten interessanten Stelle gelangen.  Es ist ein kleines Bachbett mit faustgroßen schwarzen Gestein. Zuerst fährt der erste BMW Fahrer, danach ich und dann kam Volker. Die Herausforderung ist das das Backbett zuerst nur leicht aufschüssig ist und dann einen Knickt macht mit einer 20 cm Stufe. Die Stufe selbst besteht aus Steinen und Lehm und zwei Packtaschen großen Granitsteinen eingefasst wird. 

Wir spielen uns damit und warten auf den zweiten BMW Fahrer. Er kommt nicht. Ich steige ab und laufe das Bett hinunter. Er hat  umgedreht und fuhrt zurück. Ich wanderte wieder hoch und über Intercom informierte er den ersten BMW Fahrer das er darauf keine Lust hätte. 

So drehte der erste BMW Fahrer auch um. Wir versuchten Ihn umzustimmen jedoch war daran nichts zu rütteln. Wir verabschiedeten uns und tauschten Nummern aus. Danach fuhren wir alleine weiter. Es ging nun ganz einfach und wunderschön durch Wälder kleinen Sträschen mit abfallenden Hängen und immer wieder wunderschönen Aussichten an einem Berg entlang. Alles wirklich einfach. Eher Kaffeetour tauglich. Nach knapp 1,5h blieben wir stehen und schauten uns an. Sektion 2 ist beendet lol. Es war alles relativ einfach. So wie Assietta Kammstraße meinte ich „ Alter das wird ne Kaffeefahrt“. Wir lachten und fuhren weiter. Über ein kleines Straßenstück biegen wir in Sektion 3 ein. 

Kaum das gesagt bleiben wir vor einer rein schlammigen Auffahrt stehen. Ich schaue auf das GPS dann wieder auf den Weg, dann wieder aufs GPS. Hä die Demons sind doch noch 50km entfernt „Kopfkratz“. Die Auffahrt geht erstmal extrem schlammig in einem 60 Grad Winkel 30 Meter den Berg rauf macht dann eine haarscharfe Rechtskurve und verschwindet mit einer ca. 50 Grad Steigung ab in den Wald.

Ich starte den Motor und hole Schwung. Ich schaffe es direkt auf die erste Anhöhe und drehe die Maschine direkt in der Fahrt so das sie schon richtig steht. Nun sehe ich was hier abgeht. Der Weg ist wie ein U geformt. Alles ist schlammig. In dem Schlamm liegen Reifengroße Steine. Kleine Steine dekorieren den Weg nach Oben. Jedoch im weiteren Verlauf sind zwei Kurven zu sehen. Ich versuche direkt Vollgas zu geben stehe auf und grabe mich den Berg hinauf. 

An einen guten Stück, wo ich Geschwindigkeit gesammelt hatte fuhr ich seitlich auf das U der Straße um auf trockenem Grund noch mehr Geschwindigkeit aufzubauen und baller mit knapp 48 km/h den Berg rauf. Das ist auch nötig, denn die zwei S-Kombinationen werden noch steiler und schlammiger. Ich bin im Drehzahlbegrenzer. Ich verpasste es zu schalten und wollte im Schlammfeld nicht irgend wie vom Gas gehen. Mit dauerhaften Drehzahlbegrenzer knalle ich den Berg rauf. Die Steine spritzen und auf einmal stehe ich auf einem kleinen Plateau. Dieses geht rechts steil nach unten und scharf Links noch steiler nach oben. Links ist es trockener Grund jedoch sehr erdig. Auf der linken Seite des Weges liegen Bäume. Volker schaffte es nach 3 Anläufen und 3 maligem hinschmeissen der Maschine auch an dem Punkt von mir zu gelangen. Wir sicherten ab jetzt gegeneinander. Da der Punkt an den Bäumen oder andere Punkte auf der Strecke zu gefährlich wären wenn die Maschine dort abstürzen würde. Es geht weiter. Es wird nun immer Enger der Kletterpfad. Ich schaffe es immer wieder mit Vollgas den Weg hochzurammeln bis nach einer Kurve eine fast 20cm hohe Stufe sehe. Ich mach das Gas zu habe Angst. Der Kopf macht zu und ich bleibe direkt mit dem Vorderrad in der Stufe hängen. Beide Füsse sind knapp 20cm in der Luft. Das wars ich falle um und stürze mit der gesamten Seite in den Berg. Glücklicherweise nichts passiert. Ich krabble aus dem Motorrad hervor. Da steht schon Kimi vor mir. Bist du schon tot ? 

Ich meinte nur ne ich lebe noch ;). Wir richten das Motorrad auf. Ich versuche nun mit Anlauf dort hochzufahren aber keine Chance. Sie fällt wieder kopfüber in den Dreck. Echt krass was die kleine Tenere aushält.

Wir richten Sie auf und ich will mich gerade aufs Bike setzen, da dreht Volker zum stabilisieren am Lenker und schlägt diesen ein. Ich werde sofort mit dem Handrücken zwischen Lenker und GPS Metallhalterung eingequetscht. So das die Maschine mit Ihrem ganzen Gewicht  auf dem Handgelenk war. Ich schreie vor Schmerzen. Volker versteht erst nicht und lässt nach einer gefühlten Ewigkeit den Lenker los. Die Maschine kippt wieder weg. Kimi hält Sie jedoch. Die Hand pocht und die Finger sind taub. Ich brauche einen Moment und denke mir es macht keinen Sinn hier zu bleiben wir müssen weiter. 

Ich bin greade so wütend, aber nicht auf Volker, sondern auf den Schmerzen das ich mit Vollgas über den Huckel fahre. Beide schieben mich am Anfang an und ich stehe oben an der Waldgrenze. Volker fuhr nun allein den Bergteil rauf und wir halfen Ihm so gut es ging. Aber auch hier hoben wir die Maschine 3-4 Mal auf. 

Total entkräftet machen wir einen Pause. Ich wollte die Drohne fliegen lassen, jedoch funktioniert die jetzt auch nicht mehr. Ich glaube ich mach mal irgendwann einen Eintrag was nun alles kaputt, verschwunden oder zerbrochen ist. 

Wir hören KTM Motoren. Auf einmal taucht eine 990 Adventure auf und eine kTM 690 Adventure. Wir begrüßen Sie auf der Anhöhe und tauschen uns aus Es sind die Esten die wir auf Facebook vor unserem Start gesprochen hatte. Sie haben uns endlich eingeholt. Wir fahren nun zusammen weiter. 

Es geht nun über Waldwiesen und Schlammfelder. Die Durchfahrten sind ca so tief wie das halbe Motorrad. Umfallen ist keine Option. 

Wir kämpfen uns nun hier durch. Am Ende dieser Felder erwartet uns ein riesiges Feld mit langem Gras. Wir pausieren ein wenig. Es geht nun in einem Geröllfeld den Berg mit ca 50 Grad Steigung hoch. Die Felsen werden einfach unvorstellbar groß und wir Arbeiten uns mit den Dicken Maschinen durch dieses Kraterfeld. Der 990 KTM Fahrer heisst ausserdem Fred und wir beide fahren zusammen als erstes den Berg hinauf. Es ist echt cool zusammen da den Berg hochzujagen. Er stürzt jedoch im Trümmerfeld. Ich kann aber nicht stehen bleiben das ich sonst auch stürzen würde also ziehe ich alleine durch. 

5 Minuten später steht auch er an dem Punkt. Er ist ein echt sehr guter Fahrer.

Wir warten auf die anderen die nach ca. 30 Minuten bei einem Mittelstück standen. Volker war langsam fertig. Ich fragte ob ich es versuchen dürfte die 1290er nach oben zu fahren. Er berate und nach zwei vermasselten Starts pumpte ich die Maschine auf den Berg. 

Die KTM fährt sich ab 15km/h wirklich gefühlt leichter als die Tenere. Crazy. 

Wir kommen endlich auf dem Gipfel an. Es ist 16:45. Wir genießen das die Sonne langsam tiefer steht und fahren weiter.

Es sind noch 4km zum Start der Demons. Diese sind nicht so wild. Es ist teilweise schlammige Felder, teilweise steinig. Das GPSMap Blinkt auf „DEMONS!!“. Ich schaue voraus „ACH DU HEILIGE SCHEISSE“ Vor mir stehen die zwei Esten Sie zeigen nach unten. Der Weg geht in einem sehr steilen Winkel den Berg abwärts. In ca. 50cm Stufen. Die Stufen sind in 1m tiefen Mulden. Der KTM 690 Fahrer reisst sich die Hinterradbremse ab. So musste er dieses Feld ohne Hinterradbremse fahren. 

Wir arbeiten uns nach unten. Ich mache den Motor aus und rolle langsam jede einzelne Stufe durch. Hier kann niemand, niemanden helfen. Es ist einfach zu steil um die Maschine nur ansatzweise abzustellen. Im unteren Drittel wird der Weg seichter. Es geht zwei Wege entlang. Wir scouten zusammen und entscheiden uns nicht für den kranken 2m Gab sondern für den nicht zu steilen extrem schlammig nassen Weg mit vielen Steinen. 

Er ging erstaunlich gut und nun standen wir vor einer anderen Herausforderung. Ich traute meinen Augen nicht. Ich stieg ab legte die Maschine auf die Seite, da man Sie eh nicht abstellen konnte und ging nach vorne. „Ein Wasserfall mit drei Treppenstufen. Jede so hoch das sie einem zum Bauchnabel reicht. Ich überlege ne Sekunde umzudrehen, aber das ist nicht möglich die Abfahrt ist nicht möglich nach oben zu fahren.  An der rechten Seite ist ein Baumstamm angespült. Ich entscheide mich dort hinunter zu fahren anstatt über die Felsen mein Glück zu versuchen. Alle anderen sollten mich stützen. 

Wir schaffen es echt diesen Wasserfall zu überwinden und fahren zusammen im Bachbett entlang. Er hört nach ca. 500m auf und wir sind auf einer Schotterstraße. Sektion 3 Completed. 

Wir jubeln und sind aber gleichzeitig total fertig. Es ist 20 Uhr die Sonne geht unter. Wir verabschieden uns von den Esten die im Wald übernachten wollen. Wir müssen nun noch über die Schotterpisten zu einer Straße finden und dann 60km zu unserer Pension fahren. 

Beim Nachhauseweg stürze ich jedoch hart als ich über eine Mulde springe. Das Fahrwerk schlägt durch und ich fliege über den Lenker ab. Die Tenere schlägt 3 mal auf dem Boden auf und bleibt liegen. Ich auch. Ich Rappel mich auf und schau um mich. Kimi rennt schon auf mich zu. Franky alles gut. Das hat schlimm ausgesehen. Ja passt schon meinte ich. Mir tut nur die Rippe weh. Wir heben die Maschine auf und fahren weiter. An der Tenere fehlte sich nichts. Die Ist so taff, Wahnsinn.

Endlich kommen wir auf der Straße an. Ein Herr der seine Kühe von der Weide führte meinte das an der Hütte natürliches Wasser gibt und wir das trinken sollen. Wir gehen hin und probieren. Volker meint „Das Wasser blubbert ja“ Ich trinke einen Schluck und spucke es sofort wieder aus. 

Das ist Benzol. Das Wasser ist verunreinigt. Shit. Wir spucken vor uns hin. 

Wir fahren weiter. Auf der Landstraße angekommen wird es richtig Nacht. Wir fahren mit ca. 70 -80 km/h in ner Ortschaft. Es ist aber normal diese Geschwindigkeit zu fahren. Glaubt mir es ist normal. An einer Kurve die sehr scharf war, man aber gut unterschätzen kann, fängt mein Hinterrad an wegzuschmeißen. Ich gebe Gas und fahre mit einem Powerslide um die Kurve. Ich hoffte das Volker das gesehen hat. 

Ich sehe Beide im Spiegel. Auf einmal fängt Volker an zu Brennen das Heck geht weg. Zuerst auf die eine Seite dann auf die andere. Es funkt und die Maschine Slidet über den Boden. Ich drehe wie von der Tarantel gestochen um. Warnblinklicht. Prüfen das keiner über Sie drüber fährt. Zu Ihnen laufen. Ist alles gut? Kimi und Volker stehen schon wieder. „Ja alles gut“ Wir schauen hinter uns. Ein Sammelbecken das ca. 5m tief ist, ist einen Schritt entfernt. 

Wir richten die Maschine auf. Machen eine Pause. Alter war das knapp. Das hätte richtig scheisse ausgehen können. Wir fahren nun nachhause. An der Pension angekommen, gehen wir nach dem Essen direkt ins Bett.

Wir hören uns morgen wieder. 

Bis bald

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