Servus Zusammen,
der Anhänger ist so kompakt das man sich schön irgendwo in Ruhe niederlassen kann. Enduro-Rennen oder doch einfach nur Offgrid, eigentlich ist es egal. Das zuhause Gefühl kommt immer in der Sekunde wenn man den Platz gefunden hat.
Jedoch für längere Standzeiten (mehr als 3 Tage) wird es schwierig mit der Kühlung von Essen, Strom, Wasser oder Wärme.



Durch die Motorradreisen sind wir gewöhnt spartanisch zu leben. Jedoch bei Rennen oder wenn wir mit leichten Motorrädern unterwegs sind braucht man auch ein wenig Komfort.
So kam es, dass ich unseren Pelletier Kühlschrank gegen einen Kompressor Kühlschrank ausgetauscht habe. Was von dauerhafter Kühlleistung und Stromverbrauch mega ist.
Zudem habe ich mir eine Dieselheizung gebaut welche 12V braucht um dauerhaft über der Nacht Wärme im Dachzelt zu verbreiten.
Strom braucht das Land
Also muss eine Stromversorgung her. Ich habe mich ein wenig eingelesen und für meine Zwecke wären nur zwei Systeme interessant
DJI Powerstation 2000
Die DJI Power 2000 mag zwar schnell aufladen und 3000 W liefern, aber sie ist für mich nicht die richtige Wahl.
Der Fokus auf 230V-Wechselstrom und die vorhandenen USB-Anschlüsse passen nicht zu meiner Anforderung nach einem reinen 12V-Gleichstromsystem – hier müsste ich immer mit ineffizienten Wandlern arbeiten. Zudem ist das Gerät nicht wasserdicht. Für den Outdoor-Einsatz oder den Einbau in ein 12V-Bordnetz, wo Robustheit und eine direkte 12V-Versorgung Pflicht sind, ist die DJI Power 2000 damit leider für mich raus.

EcoFlow DELTA Pro 3
Auch die große EcoFlow DELTA Pro 3 fällt durch, obwohl sie mit 4096 Wh und 4000 W viel Power bietet. Wie die DJI ist sie primär auf 230V-AC ausgelegt, was in einem reinen 12V-System keinen Sinn macht. Zwar hat sie einen 12V-Ausgang, aber das ist nicht der Kern des Systems, und die Gesamtarchitektur zwingt mich zu unnötigen Wandlungen. Der entscheidende Punkt ist aber auch hier, dass sie nicht wasserdicht ist.
Bei über 50 kg und als zentrale Stromversorgung für anspruchsvolle mobile Anwendungen muss das Gerät einfach gegen Feuchtigkeit geschützt sein und direkt 12V liefern, weshalb die EcoFlow DELTA Pro 3 nicht infrage kommt.

Meine eigene Ideen von einer Powerstation
Sie soll folgende Anforderungen erfüllen:
- 12V System-Spannung
- Kein 230V Wechselrichter
- Strom für mindestens 2 Wochen
- Solaranlagen Anschluss bis 50A
- Wasserdicht bei Regen
- Lademöglichkeit an Stromladestelle
- Lademöglichkeit an 230V
- Lademöglichkeit über Auto-Ladebooster



Das Herzstück: Eine Alubox wird zur Powerstation
Als Gehäuse habe ich mich für eine robuste Aluminium-Transportbox entschieden. Die ist stabil, verzeiht auch mal einen Schlag auf der Schotterpiste und ist bei Regen dicht. Genau das, was die gekauften Powerstations nicht können.
Innen habe ich eine Montageplatte aus Aluminium eingesetzt, auf der die gesamte Elektrik sauber verschraubt ist. Die Batterie steht stehend davor und wird über zwei Stangen fixiert, damit beim Fahren nichts verrutscht. Alle Kabel sind in Gewebeschlauch verlegt, das schützt vor Scheuerstellen und sieht einfach aufgeräumt aus.
Die Batterie – REDODO 12V 200Ah LiFePO4
Das Kernstück ist eine REDODO LiFePO4-Batterie mit 12V und 200Ah. Das sind rund 2.560 Wh, also mehr als die DJI Power 2000 und das bei einem Bruchteil des Preises. Für das Preis-Leistungs-Verhältnis ist die Batterie wirklich sehr gut.
LiFePO4 hat für mich gleich mehrere Vorteile:
- Man kann sie fast komplett entladen, ohne dass sie Schaden nimmt
- Sie hält tausende Ladezyklen
- Sie ist deutlich leichter als eine vergleichbare AGM-Batterie
- Die Spannung bleibt lange stabil, der Kühlschrank läuft also bis zum Schluss sauber
Direkt an der Batterie sitzt ein NATO-Trennschalter. Damit schalte ich die komplette Box mit einem Dreh stromlos, egal ob beim Transport, beim Arbeiten an der Elektrik oder wenn der Anhänger länger steht. Dazu kommt eine 135A-Hauptsicherung zwischen Batterie und Verteiler.
Drei Wege, um Strom reinzubekommen
Mir war wichtig, dass ich nie von nur einer Stromquelle abhängig bin. Deshalb gibt es drei Lademöglichkeiten:
1. Solar – Victron MPPT Laderegler
Auf dem Anhänger kommt ein Solarpanel das bifazial mit je 110W zum Einsatz. Dadurch liegen bei 110W ca. 48V an, was die Kabelverluste niedrig hält. Der Victron MPPT Laderegler wandelt das auf 12V um und lädt mit ca. 14A in die Batterie. An sonnigen Tagen deckt das locker den Tagesverbrauch vom Kühlschrank ab, und genau das macht die 2 Wochen Autarkie möglich. Unabhängig welcher große Verbraucher dran ist. Wir hatten sogar zwei Kompressor Kühlschränke und vier Smartphones dran.
2. Landstrom – Victron 230V-12V Ladegerät
Auf dem Campingplatz oder bei einem Rennen mit Stromanschluss geht es über die CCE-Außensteckdose. Das ist die Norm-Steckdose, die man auf Campingplätzen für Wohnwagen und Wohnmobile nutzt. Dahinter sitzt ein FI/LS-Schutzschalter mit 230V-Steckdosen, denn bei Überstrom oder Fehlern beim Platzbetreiber will ich auf der sicheren Seite sein.
Das Victron 230V-12V Ladegerät lädt dann mit bis zu 40A und bringt die vollständig leere Batterie in ca. 8 bis 10 Stunden wieder auf 100 %.
Verteilung und Absicherung
Alle Ladequellen laufen auf einen zentralen Plus-Verteiler. Jede Leitung ist einzeln abgesichert, teilweise mit rückstellbaren Sicherungsautomaten. Löst einer aus, drücke ich ihn einfach wieder rein, ohne Ersatzsicherungen suchen zu müssen.
Auf der Minus-Seite gibt es eine Masse-Sammelschiene. Darüber laufen alle Verbraucher zum Victron SmartShunt 300A. Das ist wichtig, denn nur so erfasst der Shunt wirklich jedes Ampere, das rein- oder rausgeht.
Die Verbraucher
Die Verbraucher hängen an einem eigenen Sicherungskasten, damit jedes Gerät einzeln abgesichert ist:
- 2x USB-Steckdosen (je 10A) für Handy, Kamera, Helmkamera und Co.
- 2x Zigarettenanzünder-Buchsen (20A) für den Kompressor-Kühlschrank
- 12V für die Dieselheizung im Dachzelt
Einen 230V-Wechselrichter gibt es bewusst nicht. Alles läuft direkt auf 12V, ohne Wandlerverluste.
Immer im Blick: Batterie-Monitor
Außen an der Box sitzt das REDODO Battery Monitor Display. Darauf sehe ich auf einen Blick den Ladestand in Prozent, Spannung, Strom und aktuelle Leistung. Zusätzlich kann ich über den Victron SmartShunt alles per Bluetooth am Handy auslesen.
Beim ersten Test zeigte das Display 13,4V, -1,83A und 24,6W bei voller Batterie. Rein rechnerisch würden die 200Ah bei dieser Last ohne Nachladen über 4 Tage reichen. Mit der Solaranlage obendrauf sind die 2 Wochen und mehr absolut realistisch. Es geht mir eher das Wasser oder der Diesel für die Heizung aus als der Strom.
Mein Fazit
Ist es mehr Arbeit als eine fertige Powerstation zu kaufen? Ja, definitiv. Aber dafür habe ich jetzt ein System, das genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist: reines 12V, wasserdicht, drei Lademöglichkeiten, alles einzeln abgesichert und jedes Teil austauschbar, falls mal was kaputt geht. Und ich weiß, wie jedes Kabel verlegt ist, was unterwegs Gold wert ist.
Jetzt muss die Box nur noch zeigen, was sie auf dem nächsten Enduro-Rennen kann. Ich halte Euch auf dem Laufenden!
Bis bald,
Dein Franky

